In Kürze:
- Laut Ursula von der Leyen ist die Altersnachweis-App fertig entwickelt.
- App soll höchste Datenschutzstandards erfüllen.
- Fachleute kritisieren verschiedene Schwachstellen.
Vergleich mit COVID-App
Die neue Altersnachweis-App soll den Zugang zu Online-Plattformen regulieren. Nutzer sollen ihr Alter künftig ähnlich einfach nachweisen können wie beim Kauf alkoholischer Getränke im Supermarkt. Die Anwendung sei leicht bedienbar, erfülle hohe Datenschutzstandards und werde vollständig als Open-Source-Software bereitgestellt, betonte von der Leyen.
Ganz ohne Schwachstellen ist das System jedoch nicht. Ein Beamter der EU-Kommission räumte ein, dass ältere Geschwister, Eltern oder andere Bezugspersonen die App auch für jüngere Kinder einrichten könnten.
Die Funktionsweise ist simpel: Nach dem Download identifiziert sich der Nutzer etwa per Personalausweis, Reisepass oder Bankverbindung. Anschließend speichert die App das Geburtsdatum. Beim Aufruf einer Website mit Altersbeschränkung prüft sie automatisch, ob der Zugang erlaubt ist, und blockiert die Seite bei zu jungem Alter.
Die EU-Kommission wirft mehreren großen Online-Plattformen vor, den Schutz Minderjähriger zu vernachlässigen und damit gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste, den Digital Services Act (DSA), zu verstoßen. Künftig könnten Unternehmen verpflichtet werden, die neue Altersnachweis-App als Zugangsvoraussetzung zu nutzen.
Kritik an Sicherheit und Datenschutz
Mit der App stellt Europa eine kostenfreie und einfach zu bedienende Lösung bereit, die Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen und illegalen Online-Inhalten schützen soll. Von der Leyen nannte dabei unter anderem Frankreich, Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien, Zypern und Irland als EU-Staaten, die planen, die Altersnachweis-App in ihre nationalen digitalen Brieftaschen zu integrieren.
Innerhalb von zwei Minuten gehackt
Wie leicht sich die Nutzung umgehen lässt, beschreibt zudem der Kryptografieforscher Olivier Blazy. Er erklärte, dass ein Minderjähriger ein entsperrtes Gerät einer erwachsenen Person nutzen könne, um selbst Altersnachweise zu erbringen.
Kritik von Bürgerrechts- und IT-Experten
Auch aus der Zivilgesellschaft kommt deutliche Kritik an der geplanten Altersnachweis-App. Swea Windwehr von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier (EEF) warnt, dass Altersverifikationssysteme grundsätzlich alle Nutzer betreffen und zentrale Grundrechte wie Privatsphäre, Meinungsfreiheit und den Zugang zu Informationen einschränken könnten. Besonders problematisch seien Verfahren, die auf amtlichen Ausweisdokumenten basieren.
Als „sehr besorgniserregend“ bewertet sie zudem, dass die Anwendung offenbar nur für Personen mit modernen Smartphones und gültigen Ausweisdokumenten nutzbar wäre. Dadurch könnten potenziell Millionen Menschen vom Zugang zu digitalen Angeboten ausgeschlossen werden.
Auch aus technischer und grundsätzlicher Sicht gibt es Widerspruch. Die Informatikerin Elina Eickstädt vom Chaos Computer Club (CCC) kritisiert nicht nur die Umsetzung, sondern stellt den Ansatz selbst infrage. Der Fokus auf Zugangskontrollen sei „schlichtweg falsch“, stattdessen müsse die Gestaltung digitaler Plattformen verbessert werden. Die geplanten Anwendungen zeigten aus ihrer Sicht einen „massiven Wunsch nach Überwachung“.