Keine Angst vor dem Biss?
Foto: Tarik Tinazay/AFP/Getty Images
Zahnbehandlungen sind für viele schon heute kaum bezahlbar. Nun fordert ein CDU-naher Verband, entsprechende Leistungen ganz aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen – ein Angriff auf die Gesundheit von Millionen
Haben Sie schon einmal ein Zahnimplantat benötigt? Falls nicht, herzlichen Glückwunsch. Für Sie zur Information: Da es sich dabei nach aktuellen Versicherungsregelungen um einen kosmetischen Eingriff handelt, muss er in der Regel größtenteils selbst bezahlt werden – die Kosten können Tausende Euro umfassen.
Selbst bei der von den gesetzlichen Krankenkassen anteilig übernommenen Alternative, einer Zahnbrücke, beträgt der Selbstkostenanteil oft mehrere hundert Euro. Zahnbehandlungen sind damit für viele Menschen faktisch unerschwinglich. Sie entscheiden längst darüber, ob der nächste Urlaub ausfällt – oder ob man in eine existenzielle Schuldenkrise gerät.
Vor diesem Hintergrund muss man sich klarmachen, wie brutal die jüngste Forderung des CDU-Wirtschaftsrates ist. Der parteinahe Unternehmerverband empfiehlt tatsächlich, Zahnbehandlungen gänzlich aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Solch eine Forderung ist nicht nur unverschämt und weltfremd – sie ist ein gezielter Angriff auf die Gesundheitsversorgung aller lohnabhängigen Menschen in Deutschland.
Woher kommt überhaupt die Aufregung? Der Lobbyverband mit rund 12.000 Mitgliedern hat ein Papier veröffentlicht, in dem er von der Bundesregierung fordert, die Axt an die Sozialausgaben anzulegen und das Leben der Reichen zu erleichtern. Die klassisch neoliberalen Forderungen umfassen das höhere Einsetzen des Spitzensteuersatzes, die Senkung der Unternehmensteuer sowie die Kürzung von Arbeitslosengeld. Als Sahnehäubchen heißt es: „Verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen.“
Zynische Wortwahl: Warum der Wirtschaftsrat nicht für die Beschäftigten spricht
Die Wortwahl, mit der vorgegeben wird, sich für die Beitragszahler zu interessieren, ist bezeichnend. Zynischerweise wird der Forderungskatalog gleich ganz „Agenda für Arbeitnehmer“ genannt. Von der Realität könnte man nicht weiter entfernt sein: Laut Lobbycontrol sind BMW, Rheinmetall und Bayer im Verband aktiv. Für die Manager dieser Unternehmen sind private Zahnbehandlungen kein Problem – sie werden immer ein strahlend weißes Lächeln haben. Es sind nicht die Mitglieder der gesetzlichen Kassen oder Sozialgeldempfänger, die der arbeitenden Bevölkerung etwas wegnehmen – es sind die Konzerne, wenn sie sich weigern, Steuern zu zahlen.
Vier Mitglieder des Kabinetts Friedrich Merz, den Kanzler eingeschlossen, waren früher Funktionäre beim Wirtschaftsrat. Es ist daher kein Zufall, dass entsprechende Forderungen aus dieser Richtung kommen. Sie entsprechen dem Ziel, Sozialausgaben zu kürzen und mehr Arbeitszeit aus der Bevölkerung herauszuquetschen. Ob Angriffe auf das Teilzeitgesetz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Acht-Stunden-Tag: Die Kampagne gegen Beschäftigteninteressen läuft auf Hochtouren. Der Wirtschaftsrat flankiert diese Angriffe nun dreist.
Für die frühe Arbeiterbewegung war Gesundheitsschutz kein Lifestyle-Thema, sondern überlebensnotwendig. Schlechte Zähne bedeuteten chronische Schmerzen, gefährliche Infektionen und frühe Invalidität. Wer dorthin zurückwill, dem sollten die Zähne gezeigt werden. Vielleicht so, wie die Band Superpunk sich die Entführung eines fiktiven Reichen ausmalt, um mit dem Lösegeld Zahnarztrechnungen zu begleichen? „Ich bin nicht böse geboren / Ich wollt’ nur neue Zähne für meinen Bruder und mich.“
klarmachen, wie brutal die jüngste Forderung des CDU-Wirtschaftsrates ist. Der parteinahe Unternehmerverband empfiehlt tatsächlich, Zahnbehandlungen gänzlich aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Solch eine Forderung ist nicht nur unverschämt und weltfremd – sie ist ein gezielter Angriff auf die Gesundheitsversorgung aller lohnabhängigen Menschen in Deutschland.Woher kommt überhaupt die Aufregung? Der Lobbyverband mit rund 12.000 Mitgliedern hat ein Papier veröffentlicht, in dem er von der Bundesregierung fordert, die Axt an die Sozialausgaben anzulegen und das Leben der Reichen zu erleichtern. Die klassisch neoliberalen Forderungen umfassen das höhere Einsetzen des Spitzensteuersatzes, die Senkung der Unternehmensteuer sowie die Kürzung von Arbeitslosengeld. Als Sahnehäubchen heißt es: „Verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen.“Zynische Wortwahl: Warum der Wirtschaftsrat nicht für die Beschäftigten sprichtDie Wortwahl, mit der vorgegeben wird, sich für die Beitragszahler zu interessieren, ist bezeichnend. Zynischerweise wird der Forderungskatalog gleich ganz „Agenda für Arbeitnehmer“ genannt. Von der Realität könnte man nicht weiter entfernt sein: Laut Lobbycontrol sind BMW, Rheinmetall und Bayer im Verband aktiv. Für die Manager dieser Unternehmen sind private Zahnbehandlungen kein Problem – sie werden immer ein strahlend weißes Lächeln haben. Es sind nicht die Mitglieder der gesetzlichen Kassen oder Sozialgeldempfänger, die der arbeitenden Bevölkerung etwas wegnehmen – es sind die Konzerne, wenn sie sich weigern, Steuern zu zahlen.Vier Mitglieder des Kabinetts Friedrich Merz, den Kanzler eingeschlossen, waren früher Funktionäre beim Wirtschaftsrat. Es ist daher kein Zufall, dass entsprechende Forderungen aus dieser Richtung kommen. Sie entsprechen dem Ziel, Sozialausgaben zu kürzen und mehr Arbeitszeit aus der Bevölkerung herauszuquetschen. Ob Angriffe auf das Teilzeitgesetz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Acht-Stunden-Tag: Die Kampagne gegen Beschäftigteninteressen läuft auf Hochtouren. Der Wirtschaftsrat flankiert diese Angriffe nun dreist.Für die frühe Arbeiterbewegung war Gesundheitsschutz kein Lifestyle-Thema, sondern überlebensnotwendig. Schlechte Zähne bedeuteten chronische Schmerzen, gefährliche Infektionen und frühe Invalidität. Wer dorthin zurückwill, dem sollten die Zähne gezeigt werden. Vielleicht so, wie die Band Superpunk sich die Entführung eines fiktiven Reichen ausmalt, um mit dem Lösegeld Zahnarztrechnungen zu begleichen? „Ich bin nicht böse geboren / Ich wollt’ nur neue Zähne für meinen Bruder und mich.“