Hier kommentiert Marcus Klöckner die Aussage von Bundeskanzler Merz bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Berlin, er wolle die Rückkehr wehrpflichtiger ukrainischer Männer in die Ukraine, die in Deutschland Schutz suchen, „erleichtern“. Das sei, so der Kanzler, „unverzichtbar, um die Verteidigungsfähigkeit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Wiederaufbau der Ukraine auch zu sichern“. Merz wolle Selenskyj dabei „unterstützen“, Zugriff auf Männer zu bekommen, die vor dem Grauen des Krieges flüchten. Im Hinblick auf diese Grundhaltung brauche es keine Fantasie, um zu begreifen, was im Kriegsfall in Deutschland los wäre – Recht auf Kriegsdienstverweigerung hin oder her. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Zuschriften dazu. Es folgt nun eine Leserbrief-Auswahl. Für Sie zusammengestellt von Christian Reimann.
1. Leserbrief
Sehr geehrtes Team der Nachdenkseiten,
sehr geehrter Marcus Klöckner,
erneut landen Sie mal wieder einen Volltreffer mit diesem herausragenden Kommentar.
Zu meinem Bedauern muß man aber leider konstatieren, daß Sie (und natürlich die NDS)
quasi der einsame Rufer in der Wüste sind.
Es ist einfach nicht zu fassen, wie selbstverständlich und unwidersprochen sich dieser Kanzler
hinstellen kann, und sich dafür stark macht, junge Männer, die hier bei uns Schutz suchend
untergekommen sind, non-chalant ans Messer liefern will.
Wenn man sich die Entwicklung dagegen mal in USA anschaut, wie da der Wind bei der Bevölkerung in Sachen Israel-Unterstützung gedreht hat, dann stellt sich jedem kritischen Bürger hierzulande unweigerlich die Frage, warum solche Umfragen bei uns in Sachen Ukraine nicht durchgeführt werden.
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Ich möchte Ihnen und den NDS auf diesem Wege ausdrücklich für Ihr Engagement danken und legen Sie weiter den Finger in die Wunde.
Mit freundlichen Grüßen
Patrick Meiser
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
Sie schreiben: “Der Eindruck ist: Viele in Deutschland begreifen überhaupt gar nicht, was hier passiert – oder sie verdrängen es eben.”
Aber das passt der herrschenden Nomenklatura in diesem unserem Lande (= politische, ökonomische, militärische und journalistische “Elite”) doch sehr gut ins Konzept. Die vielen kleinen Bürgerinnen/Bürger und zukünftigen kleinen Soldatinnen/Soldaten sollen doch nicht auf dumme Ideen kommen und darüber nachdenken, für wen bzw. für wessen Interessen sie tatsächlich im Krieg kämpfen, andere Menschen töten und/oder selbst getötet werden.
Und die Querdenker, Bedenkenträger und kritischen Bürgerinnen/Bürger die einwenden, es würde hier nicht um “edle” westliche Werte wie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte gehen, sondern um profane geostrategische Interessen, die schnöden Gewinne der Rüstungsindustrie und das ökonomische Wohl der Aktionäre von Black Rock, werden auch noch auf Linie gebracht, notfalls eben mit staatlicher Gewalt und rigiden Zwangsmaßnahmen.
“Der Krieg beginnt in den Köpfen der Menschen. Lange bevor der erste Schuß fällt, wird durch Ideologie und Propaganda ein Bild des Feindes aufgebaut, das Haß und Aggression schürt und die natürliche Angst vor dem Krieg herabsetzt. Feindbilder setzen die Bereitschaft zur Gewalt herab und entmenschlichen den Gegner. Nicht die Waffen töten Menschen, Köpfe töten Menschen.”
Diese Sätze stammen aus einem Buch mit dem Titel “Gesichter des Bösen. Über die Entstehung unserer Feindbilder.” (Im Original: Faces of the enemy. Reflections of the hostile imagination.) Geschrieben wurde es von dem US-amerikanischen Philosophen Sam Keen 1986, also vor vier Jahrzehnten und einer Zeit, als die Grünen in Deutschland noch eine pazifistische, basisdemokratische und kapitalismuskritische Partei waren. Wie man sieht, wurden die “Chaoten”, wie die Grünen damals von einem bayerischen Politiker bezeichnet wurden, schon lange auf Linie gebracht, indem sie sich selbst gleichgeschaltet haben.
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Schmiedel
3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner
Schön dass Sie auf diesen Punkt nochmal hinweisen. Ich schätze und verstehe Ihre Empörung darüber, wie mit Männern im Zusammenhang mit Wehrpfilcht insbesondere auch im Kriegsfall umgegangen wird, vollkommen und bin mit Ihnen darin auch völlig einverstanden, empfinde es gleichzeitig aber auch als blauäugig, weil dies ja immer schon so war auch in der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn man zugestehen muss, dass es in Friedenszeiten immer die Möglichkeit gab, den Kriegsdienst zu verweigern, wofür Mann allerdings eine demütigende Prüfung über sich ergehen lassen musste, deren Ausgang Mann selbst nicht wesentlich mitbestimmen konnte. Als Totalverweigerer musste man damals auch ins Gefängnis, galt anschließend als vorbestraft und konnte infolgedessen z.B. nicht studieren.
Die Wehrpflicht selbst ging mit Kasernierung, Uniformisierung, totalem Befehl und Gehrorsam Drill den ganzen Tag und menschenunwürdigem Verhalten von Seiten der Vorgesetzten gegenüber den einfachen Soldaten, sinnloser Formalausbildung etc. etc. einher. Dagegen waren die Einschränkungen während der Corona-Zeit das reinste Schlaraffenland! Dass dies immer schon so war, muss aber nicht bedeuten, dass dies immer so bleiben müsste, im Gegenteil: Das, diese Schule der Nation, muss endlich ein Ende haben!
Dass dies alles nichts mit Respektierung der Menschenrechte zu tun hat und wenig Grundgesetzt konform ist, wenn man davon absieht, dass im Grundgesetz hehre Werte häufig durch den Passus “näheres regelt ein Gesetz” relativiert werden, ist offensichtlich. Früher wurden Soldaten gebraucht um den Ostblock in Schach zu halten, heute um der Ukraine die Mitgliedschaft in NATO und EU zu ermöglichen und die NATO-Osterweiterung voranzutreiben und damit das geostrategische Gleichgewicht zugunsten der NATO zu verschieben, was mit den Sicherheitsinteressen Russlands nicht kompatibel ist und zu diesem Krieg in der Ukraine geführt hat. Um diesen Krieg zu gewinnen bzw. nicht zu verlieren, braucht man viel Waffen und viel Soldaten. Da nimmt man es mit den Menschenrechten nicht so genau.
Komischerweise hört man in den Leitmedien gleichzeitig Stimmen die einerseits behaupten Russland stünde kurz vor der Niederlage und andere die behaupten Russland würde Europa spätesten 2029 angreifen, letzteres sicher auch um die laufende exorbitante Aufrüstung und Schuldenorgie zu legitimieren. Selbst wenn Russland den Ukraine-Krieg mit konventionellen Waffen verlieren sollte, darf man doch nicht vergessen, dass Russland eine Atommacht auf Augenhöhe mit den USA ist und demgemäß ein möglicher Sieg mit konventionellen Waffen und Wirtschaftssanktionen und dessen Risiken vor diesem Hintergrund erstmal richtig eingeordnet werden müsste.
Fritz Gerhard
4. Leserbrief
Was ist Menschen mit einem begrenzten Denkvermögen eigen?
Sie folgen der einmal gewählten Strategie bis zum bitteren Ende. Ein Friedrich Merz, der keine besonderen Höhepunkte in seiner juristischen Karriere aufweisen kann, beschloss Politiker zu werden. Diesen Entschluss haben manch’ andere vor ihm auch gefasst. Ob Postkartenmaler oder verkrachte Existenzen aus dem Frankfurter Milieu mit Führungserfahrung in der „Putztruppe“ – sie sind sich treu geblieben. Ihr Menschenbild veränderte sich nie.
(…) Das einzige schnelle politische Handeln dieser Regierung besteht darin, dieser Oberschicht weitere Pfründe zu eröffnen (…) , Kriegstüchtigkeit heißt; sich wieder auf (…) Kriegswirtschaft einzustellen. Keine Gewerkschaften, ein wenig Kraft durch Freude, Einfrieren des Lohns auf das Niveau von vor zehn Jahren – just eine Welt von der nicht nur ein Bernd Höcke schwärmt. Es zählt einzig die produktive Verwertung des Humankapitals.
Deshalb handelt der Bundeskanzler nur folgerichtig, wenn er die ukrainischen wehrfähigen Männer und Frauen an diesen Herrn Selenskyj ausliefert. Denn schließlich werden die Gewinne der Rüstungsindustrie nur durch den Tod an der Front erzielt. Je mehr Gerät und Bedienungsmannschaften zerstört bzw. zerfetzt werden, desto größer der Bedarf an Nachschub von Waffen und Menschenmaterial. Ob das nun die Ukraine ist oder der Iran – Israel-USA Krieg. Hauptsache es ist ein schöner Krieg. Zugleich wird der Sozialetat entlastet, was wiederum Mittel frei werden lässt, die in der Rüstung dringend nötig sind. Was kommt nach dem letzten Ukrainer? Der deutsche Grundsicherungsempfänger? Immerhin darf er kein Beschäftigungsangebot ausschlagen, auch wenn es von der Regierung der Ukraine stammt. Der deutsche Untertan hat gefälligst flexibel zu sein. (…).
Stephan Ebers
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