In einem aufschlussreichen Interview vom 13. Januar 2026 mit Judge Andrew Napolitano in der Sendung „Judging Freedom“ analysiert der renommierte Militärexperte Colonel Douglas Macgregor aktuelle geopolitische Spannungen. Mit einem Fokus auf die Unruhen in Iran und die russische Perspektive auf US-Präsident Donald Trump wirft Macgregor ein kritisches Licht auf verdeckte Operationen, militärische Vorbereitungen und die Gefahren einer ungezügelten Präsidentschaft. Basierend auf historischen Einsichten und aktuellen Ereignissen plädiert er für eine Rückbesinnung auf verfassungsrechtliche Prinzipien und internationale Mäßigung. Der folgende Artikel fasst das Gespräch ausführlich zusammen und beleuchtet die zentralen Themen.
Die Normalisierung undeclared Wars: Eine kritische Einordnung
Das Interview beginnt mit einer grundsätzlichen Reflexion über undeclared Wars – also nicht erklärte Kriege –, die in der modernen Politik alltäglich geworden sind. Macgregor und Napolitano betonen, dass die US-Regierung häufig präventive Kriege führt, die nichts anderes als Aggression darstellen, ohne dass dies von der amerikanischen Öffentlichkeit kritisch hinterfragt wird. Die Gesellschaft habe sich an den illegitimen Einsatz von Gewalt gewöhnt.
Um eine wirklich freie Gesellschaft zu schaffen, müsse das Prinzip der Einleitung von Gewalt verstanden und abgelehnt werden. Hier werden philosophische Fragen aufgeworfen: Was, wenn man das eigene Land liebt, aber die Regierung ändern oder abschaffen muss? Thomas Jefferson wird zitiert, der für eine minimale Regierung plädierte. Es sei gefährlich, recht zu haben, wenn die Regierung unrecht hat, und besser, für die Freiheit zu sterben, als als Sklave zu leben. Die größte Bedrohung für die Freiheit sei gerade jetzt gegeben – eine Warnung, die den Ton für die weitere Diskussion setzt.
Chaos in Teheran: Die Rolle von CIA, MI6 und Mossad
Der aktuelle Fokus liegt auf den Unruhen in den Straßen Teherans. Napolitano fragt Macgregor, ob es allgemein bekannt sei, dass Mossad und CIA hinter diesem Chaos stecken. Macgregor verneint dies und erklärt, dass CIA, MI6 und Mossad involviert seien, aber die westlichen Medien eine verzerrte Wahrnehmung schüren.
Es gebe eine Mischung aus Wunschdenken und gezielter Falschinformation, die suggeriere, die iranische Bevölkerung sei bereit, das Regime zu stürzen und eine westlich orientierte Demokratie zu etablieren. Dies sei Unsinn und werde dennoch als seriöse Analyse verkauft. Tatsächlich stehe die Mehrheit der Iraner hinter ihrer Regierung, insbesondere unter externem Druck – ähnlich wie in den USA bei einer äußeren Bedrohung.
Macgregor erwähnt die National Endowment for Democracy (NED) als Instrument für Regimewechsel, das auch im Iran aktiv sei. China und Russland hätten den Iranern geholfen, unter anderem durch die Deaktivierung von rund 40.000 geschmuggelten Starlink-Terminals, die zur Koordinierung von Aufständen genutzt werden sollten. Dies sei nur die Spitze des Eisbergs bei der Bekämpfung interner Subversion.
Er bezweifelt, dass ein Regimewechsel wie 1953 (Sturz Mossadeghs) oder 2014 in der Ukraine (Sturz Janukowitschs) im Iran möglich sei. Die Israelis, mit ihren harten Analytikern, hätten keine Illusionen über einen internen Sturz, sondern nutzten die Unruhen vielmehr, um Schwachstellen in der iranischen Sicherheitsarchitektur zu identifizieren. CIA und MI6 hingegen könnten naiv an einen Erfolg glauben – eine Einschätzung, die seriöse Iran-Experten nicht teilten.
Militärische Vorbereitungen: Ist die USA bereit für einen Krieg gegen Iran?
Napolitano fragt nach der militärischen Bereitschaft der USA, Israel bei einer Invasion Irans zu unterstützen. Macgregor verweist auf einen Artikel von Larry Johnson, der massive Lieferungen von Waffen und Ausrüstung in die Golfregion beschreibt, hauptsächlich über die US-Luftwaffe. Dennoch fehle es an operativer Tiefe: Ohne zusätzliche Kampfflugzeuge von Trägergruppen – idealerweise zwei – sei eine solche Operation hochriskant.
Seit Juni des Vorjahres seien Raketenvorräte in Israel und der Region aufgefüllt worden, jedoch ohne nachhaltige Logistik. Ein Krieg könne nur ein bis zwei Wochen durchgehalten werden, bevor die Bestände erschöpft seien. Der Iran hingegen verfüge über größere Reserven an Raketen, Drohnen und hypersonischen Waffen mit Geschwindigkeiten von bis zu 8.000 Meilen pro Stunde, die nur schwer abzuwehren seien. Die USA könnten davon nur einen Bruchteil abfangen. US-Stützpunkte in der Region seien trotz Verbesserungen weiterhin verwundbar.
Der iranische Außenminister wird zitiert, der Mossad-Agenten unter den Protestierenden identifiziert habe und Verbindungen zu Mike Pompeo sehe. Macgregor kommentiert, dass der Iran Beweise habe und Exekutionen durchführe – eine Kriegstaktik, die historisch nicht neu sei. Er zieht einen Vergleich zum Zweiten Weltkrieg: Stalins NKVD habe etwa eine Million sowjetische Soldaten exekutiert, die nicht kämpfen wollten, während es auf deutscher Seite nur rund 23.000 gewesen seien – ein Indikator für den tiefen Hass auf Stalin. Die aktuellen Unruhen hätten den Iran paradoxerweise gestärkt, da subversive Netzwerke nun gezielter bekämpft werden könnten.
Der Kremls Blick auf Trump: Misstrauen und Flip-Flops
Der Fokus wechselt nach Russland. Macgregor beschreibt die Wahrnehmung Trumps im Kreml als zunächst freundlich, jedoch von tiefem Misstrauen geprägt. Der Kreml – nicht nur Präsident Putin – traue den USA nicht mehr, da Trump häufig seine Positionen ändere.
Ereignisse wie die Invasion Venezuelas (Entführung Maduros und Aneignung des Öls) sowie der Drohnenangriff auf Putins Wohnsitz mit 91 Drohnen hätten dieses Misstrauen verstärkt. Trump leugne eine US-Beteiligung, was in Moskau entweder als Lüge oder als Zeichen mangelnder Kontrolle interpretiert werde. Frühere Versuche einer Annäherung, etwa über Gespräche in Saudi-Arabien, seien an neuen Sanktionen und aggressiver Rhetorik gescheitert.
Macgregor äußert Zweifel an Trumps mentaler Stabilität. Die Aussage, dass allein seine eigene Moral ihn zurückhalten könne, sei gefährlich und ignoriere Verfassung, Verträge und Gesetze. Der Kongress habe Präsidenten zu oft freie Hand gelassen.
Zur Illustration erzählt Macgregor eine Anekdote über Ulysses S. Grant, der sich 1872 wegen zu schnellen Reitens in Washington festnehmen ließ und darauf bestand, dass auch er nicht über dem Gesetz stehe – ein deutlicher Kontrast zu Trumps Selbstverständnis.
Trumps Post, in dem er sich selbst als „Emperor of Venezuela“ bezeichnete, wird als ernstzunehmendes Zeichen einer „Might makes right“-Mentalität gewertet. Selbst Queen Victoria habe vor ihrer Kaiserinnenwürde die Aristokratie Indiens konsultiert. Macgregor warnt, dass die Venezuela-Intervention ohne Bodentruppen scheitern werde – jedoch nicht ohne unnötige Todesopfer.
Verhandlungen mit Putin und nukleare Risiken
Putin werde höflich bleiben, so Macgregor, Trumps Worte jedoch ignorieren, da dessen Handlungen widersprüchlich seien. Die Treffen in Alaska mit US-Vertretern seien gescheitert, weil die russischen Positionen nicht verstanden worden seien.
Macgregor schlägt vor, Trump solle eine „No First Use“-Doktrin für Atomwaffen initiieren, um eine Eskalation insbesondere im Ukraine-Konflikt zu verhindern. Ukrainische Angriffe auf Russland – teils unterstützt durch CIA und MI6 – könnten bei weiterer Demütigung Russlands zu nuklearen Reaktionen führen. Ein Gipfeltreffen aller Nuklearmächte unter US-Führung könnte hier einen Ausweg bieten.
Zum Abschluss verweist Macgregor auf Trumps jüngsten Post zu Iran, in dem dieser Demonstranten auffordert, Institutionen zu übernehmen, und verspricht: „Help is on the way“. Macgregor bezeichnet dies als gefährliche Fantasie – vergleichbar mit unrealistischen Aussagen zur Ukraine oder zu Gaza –, die reale Machtverhältnisse ignoriere und das Eskalationsrisiko erhöhe.
Schlussfolgerung: Eine Warnung vor ungezügelter Macht
Macgregors Analyse unterstreicht die Gefahren nicht erklärter Kriege, verdeckter Operationen und einer Präsidentschaft ohne wirksame Kontrolle. Er plädiert eindringlich für Gesetzmäßigkeit, Diplomatie und internationale Mäßigung, um globale Katastrophen zu vermeiden. In einer Welt zunehmender Spannungen sei es entscheidend, dass politische Führer lernen, ihr Ego zu zügeln und historische Lehren ernst zu nehmen – im Interesse von Frieden und Stabilität.