Die Bundeswehr-Brigade in Litauen soll zur Abschreckung gegen Russland tausende Kampfdrohnen bekommen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags gab dazu am Mittwoch grünes Licht für Großaufträge an zwei deutsche Rüstungs-Startups. Berichte über angeblich nicht ausgereifte Technik und die umstrittene Beteiligung des Trump-Vertrauten Peter Thiel an einem der beteiligten Unternehmen nähren Zweifel an dem Vorhaben.

Die Bundeswehr, die beim Einsatz von Drohnen als Waffe aufgrund früherer politischer Entscheidungen lange abgehängt schien, will mit den Waffen ein neues Kapitel auf dem Gefechtsfeld aufschlagen. Als erster Verband soll die „Brigade Litauen“ die neuen Waffensysteme bekommen.

Die neuen Systeme wurden getestet

Als „Loitering Munition“ – etwa „lauernde Munition“ – werden Drohnen mit einem Sprengkopf bezeichnet, die längere Zeit über einem Zielgebiet kreisen können, bis ihnen per Datenlink ein Ziel zugewiesen und das Angriffskommando gegeben wird.

Sie fliegen dann das Ziel an, werfen entweder eine Sprengladung ab oder stürzen sich selbst auf ihr Zielobjekt. Im Militärjargon werden sie daher auch als „Kamikaze-Drohnen“ bezeichnet.

Die Bundeswehr hat diese Waffensysteme getestet und den Herstellern eigene Vorgaben gemacht, sodass die deutsche Armee andere Versionen erhält als die ukrainischen Streitkräfte. Die Drohnen der beiden Hersteller gelten damit nicht mehr als kampferprobt („combat proven“), müssen sich aber umfangreichen deutschen Prüfungen stellen und den Praxistest in der Truppe bestehen.

Insgesamt sollen bis zu 4,4 Milliarden Euro in den nächsten Jahren für die Kamikazedrohnen ausgegeben werden. In der ersten Tranche werden jeweils mehrere Tausend Stück bestellt.

Heeresinspekteur Christian Freuding will in den nächsten Jahren sechs Einheiten für den Einsatz von den dann neu eingeführten Kamikazedrohnen aufstellen. Bis 2027 wolle er die erste Batterie mittlerer Reichweite einsatzbereit machen; bis 2029 fünf weitere, sagte der Generalleutnant im November. Eine Batterie entspricht in der Größe einer Kompanie aus 60 bis 150 Soldaten.

Um welche Drohnen geht es?

Die beiden deutschen Rüstungs-Startups Stark Defence aus Berlin und Helsing aus München sollen die Kampfdrohnen liefern. Über die genaue Anzahl der Drohnen und die mögliche Gesamthöhe des Deals hüllen sich Unternehmen und Verteidigungsministerium in Schweigen.

Drohnenwaffe HX-2 von Helsing

Drohnenwaffe HX-2 von Helsing.

Helsing soll die zwölf Kilogramm schwere, Propeller-angetriebene Kampfdrohne „HX-2“ liefern. Sie startet von einem Katapult und soll nach Unternehmensangaben in der Lage sein, „Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und andere militärische Ziele auf bis zu 100 km Reichweite zu bekämpfen“.

Integrierte künstliche Intelligenz soll sicherstellen, dass der Flugkörper „gegen feindliche Maßnahmen der elektronischen Kriegsführung immun ist“. Ein menschlicher Operator bleibt bei allen kritischen Entscheidungen eingebunden.

Die „Virtus“-Drohne von Stark Defence ist etwas größer, wird ebenfalls mit Propellern angetrieben und soll selbstständig ohne Startrampe abheben können. Dadurch kann sie nach Unternehmensangaben „in unter zehn Minuten von nahezu jedem Gelände aus einsetzbar“ sein.

Sie soll bis zu 80 Zentimeter dicken Panzerstahl durchschlagen können. Wie die Helsing-Drohne soll die „Virtus“ durch KI-gestützte Software auch dann Kurs halten, wenn feindliche Kräfte elektronische Störsignale („Jamming“) senden.

Bedenken gegen Investor bei Stark Defence

Aus den Reihen von Union und SPD heißt es, dass die Debatte um den an Stark Defence beteiligten US-Investor Peter Thiel das Projekt nicht aufhalten dürfe. Thiel hat auch Anteile an anderen Unternehmen der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte dazu in der vergangenen Woche, er teile „ausdrücklich“ Bedenken gegen die Person, relevant für eine Entscheidung sei aber, ob Thiel das operative Geschäft beeinflussen könne.

Der Grünen-Verteidigungshaushälter Sebastian Schäfer plädierte für eine strategische Beteiligung des Bundes, wie beim Rüstungsunternehmen Hensoldt. „Damit könnten wir auch verhindern, dass erklärte Anti-Demokraten wie Peter Thiel, dem ein Anteil eines Drohnenherstellers gehört, mit dem Bund ins Geschäft kommen“, sagte er.

Stark Defence erklärt auf Anfrage, Peter Thiel habe „keinerlei Einfluss auf das operative Geschäft“. Der Investor habe auch keine Sperrminorität. (dpa/afp/ks)



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