Der Winter verabschiedet sich – viele freut das. Wer aber in den vergangenen Wochen teils stundenlang über zugefrorene Seen Schlittschuh lief, verspürt Wehmut. Gut, dass die Eishockey-Saison noch nicht zu Ende ist!

Hallo,

hier ist Sebastian Puschner aus der Freitag-Redaktion, und ich schwitze. Denn ich habe heute Morgen aus Versehen meine dicke Winterjacke angezogen. Aber während mir die Verwandtschaft aus Süddeutschland zuletzt Schnee-Bilder aufs Handy schickte, dominiert hier in Berlin schon der Matsch nach der Schmelze und die Temperaturen sind bald zweistellig im Plus. Was viele um mich herum freut, lässt mich leise die Melodie von „Winter, ade! Scheiden tut weh“ summen.

Meinetwegen hätten Schnee, Eis und Winter noch bis Mai bleiben können! Denn ich war in den vergangenen Wochen teils stundenlang mit meinen Schlittschuhen auf zugefrorenen Brandenburger Seen unterwegs. Es war ein so herrliches Gefühl, auch wenn mein eiskunstläuferisches Vermögen Welten hinter dem von Olympiasiegerin Alysa Liu liegt. Völlig zu Recht feiert Freitag-Chefredakteurin Elsa Koester mit Liu und Skirennläuferin Lindsey Vonn ausgerechnet zwei Bürgerinnen der USA – während deren Präsident mit seiner Reaktion auf das Zollpolitik-Urteil des Obersten Gerichts die Welt weiter zittern lässt.

Wie Elsa habe ich selbst bis zuletzt kaum Olympia verfolgt, abgesehen vom Eishockey-Finale der Männer zum Schluss. Donald Trump kann sich freuen, dass die USA es wie bei den Frauen gegen Kanada gewonnen haben. Bei aller Sympathie für die Kanadier ist mir das egal. Hauptsache, meine Mannschaft startet am Mittwoch erfolgreich in den Schlussspurt der Deutschen Eishockey-Liga nach der Olympia-Pause: Wie warm es draußen auch wird, der älteste Eislaufsport-Verein der Republik aus Augsburg wird drinnen in den Hallen um den Einzug in die Play-Offs kämpfen, und ich zittere mit meinem „AEV“.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Ruhrgebiet und Rheinland-Pfalz: Mit dem Furor von OAZ-Verleger Holger Friedrich sympathisiert Jürgen Kuttner, wie er jüngst im Freitag schrieb – mit Furor seiner Antipathie Ausdruck gegeben hat gerade Ilko-Sascha Kowalczuk in diesem Interview mit Deutschlandfunk Kultur.

Beim Hören des Interviews musste ich einmal laut lachen. Nämlich, als Kowalczuk über die OAZ-Erstausgabe sagte: „Und dann gibt es übrigens noch einen schönen anderen Essay von jemand, der im Ruhrgebiet oder irgendwo in Westdeutschland groß geworden ist, um die 40 ist und der die ideologische Grundrichtung von Friedrich erfüllt, der sagt nämlich, ich möchte Ossi werden.“

Dieser Jemand ist mein Freund Christian Baron, seines Zeichens auch Freitag-Autor. Unsere Leserinnen und Leser in Ost wie West wissen natürlich: Christian kommt aus Kaiserslautern in der Pfalz. Darüber hat er einst einen Text geschrieben, aus dem inzwischen drei erfolgreiche Romane geworden sind. Einer wurde für die ARD verfilmt, anlässlich dessen hatte Christian mit Michael Angele über seinen Pfälzer Dialekt gesprochen.

Aber, kein Groll über Ilko-Sascha Kowalczuk – einige Wessis haben ja auch Schwierigkeiten, zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt zu unterscheiden.

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu sehen: Am Wochenende war ich nicht mehr auf dem See, sondern schon in der Halle: beiHoliday on Ice, das Weihnachtsgeschenk für meine Kinder einlösen. Mit Engagements bei derartigen Shows verdienen ja auch die Eiskunstlauf-Stars von Olympia ihr Geld.

Minerva Haase und Nikita Volodin, die deutschen Bronzemedaillen-Sieger, waren zwar noch nicht dabei, es war dennoch atemberaubend. Die Artistik, die Choreografien, die Musik und vor allem auch die Kostüme, einfach ein toller Abend.

Ob Haase und Volodin auch in Zukunft zusammen bei Eiskunstlauf-Wettbewerben antreten, scheint ja noch offen. Im März und April aber sind sie auf jeden Fall gemeinsam bei Holiday on Ice in Berlin, Hannover und Düsseldorf zu sehen, wie sie in diesem Video ankündigen.

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4. Lese-Empfehlung

Anna Ivanova über ihre ukrainische Heimatstadt Charkiw nahe der Grenze zu Russland: Zuletzt hatte die Soziologie-Doktorandin Anna Ivanova im „Freitag“ über die heutige Schwierigkeit geschrieben, offene, fundierte und gleichermaßen kritische Forschung zur ukrainischen Gesellschaft zu betreiben. In ihrem neuen Text schildert sie, wie es ist, immer wieder zu Besuch nach Charkiw zurückzukehren, das sie im März 2022 verlassen hatte. In Charkiw zerstörten die russischen Bomben und Drohnen jegliche denkbare Sympathie für das Moskauer Regime, schreibt Ivanova, zugleich gelte die Stadt anderswo in der Ukraine immer noch als „pro-russisch“, weil russischsprachig. Maksim, einer der vielen Freunde und Verwandten, die sie in ihrer Reportage zu Wort kommen lässt, sagt: „Die Metapher, die am besten zum heutigen Charkiw passt, ist die einer Person, die zwischen Himmel und Erde schwebt.“

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Wir stehen vor dem Historischen Museum. Neben dem U-Bahn-Eingang verteilt eine Frau Flyer: „Männer, Rabatte auf Militärausrüstung.“ Bei der ersten Explosion blicke ich mich um: Mädchen, die einen Tiktok-Trend filmen, unterbrechen nicht einmal ihren Tanz. Ein küssendes Paar auf einer Bank zeigt keine Reaktion und die Schlange am Kaffeestand wird auch nicht kürzer. Die Leute im Café gegenüber löffeln weiter ihre Suppe.

Nach der zweiten Explosion gehen wir dann doch in die U-Bahn hinunter. Ein Kind weint laut in den Armen der Mutter. Ein Passant macht einen Scherz: „Ich kann ihn gern nehmen – ich könnte ein drittes Kind gebrauchen.“ Väter großer Familien dürfen nämlich das Land verlassen. Eine Gruppe von Schülern diskutiert darüber, wann dieser Krieg nun eigentlich begonnen hat: „Wir waren in der sechsten Klasse!“ – „Nein, in der siebten!“ Sie können sich nicht einigen. Derzeit haben sie Onlineunterricht.

Nun geht der Krieg also ins fünfte Jahr. Allein 2025 wurde Charkiw laut Stadtverwaltung 728-mal angegriffen. Die Luftschutzsirenen heulten 1826-mal, insgesamt 2.590 Stunden und 56 Minuten. Das sind 108 volle Tage. Mehr als dreimal so viel wie in Kiew und zwanzigmal mehr als in der Westukraine.

Während ich die letzten Zeilen des heutigen Endlich Freitag!-Newsletters schreibe, lugt draußen am Horizont tatsächlich auch noch die Sonne hervor. Also werde ich wohl wagen, für meine Mittagessen-Verabredung mit Christian Baron ohne Jacke nach draußen zu gehen. Bei all meiner Liebe zur Winterkälte wünsche ich Ihnen einen warmen Start in die Woche.

Viele Grüße,

Ihr

Sebastian Puschner

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