Von Kai Rebmann

Melanie Fontana-Wintraken steht vor dem Rathaus von Niederkrüchten im Landkreis Viersen (NRW). Dort soll in der nächsten Zeit eine Dauerausstellung der freischaffenden Künstlerin präsentiert werden. Die 54-Jährige hat deshalb in den vergangenen Tagen zusammen mit ihrem Mann insgesamt 35 Exponate aufgehängt. Von Ölgemälden über Tierporträts und Landschaftsbilder bis hin zu Aktmalereien ist alles dabei, was das Herz von Kunstliebhabern höherschlagen lässt. Doch letztere sorgen jetzt für gewaltigen Ärger und das mögliche Aus für die Ausstellung, noch bevor diese offiziell eröffnet wurde.

Grund für die Aufregung war ein Anruf aus dem Rathaus bei der Künstlerin. In diesem sei ihr mitgeteilt worden, so die Darstellung Fontana-Wintrakens, dass bis zu fünf Exponate aus der Ausstellung verschwinden müssten, unter anderem Bilder, auf denen die weibliche Brust und der Intimbereich zu sehen sind, sowie ein nackter männlicher Torso.

Bei der Schafferin der Werke stieß dies auf wenig Verständnis: „Ich war einfach verwirrt, dass in meine künstlerische Freiheit eingegriffen wird, indem man sagt, dass Bilder entfernt werden müssten aus der Ausstellung.“ Auch ein vermeintlich klärendes Gespräch mit Bürgermeister Thomas Ricker (CDU) konnte die Wogen nicht wirklich glätten. Zwar sollten jetzt nur noch zwei Bilder wieder abgehängt werden, die Künstlerin selbst will sich aber auch auf diesen Kuhhandel nicht einlassen, zumal ihr die im Rathaus vorgetragene Begründung sauer aufstößt.

Die umstrittenen Aktmalereien seien zu entfernen, „da sich eventuell kulturell und religiös andersdenkende Mitbürgerinnen und Mitbürger provoziert fühlen könnten“, fasst die Künstlerin den Inhalt des Gesprächs zusammen. Den Verweis auf die eigene künstlerische Freiheit soll der Bürgermeister dann mit dem Hausrecht gekontert haben. Die beiden Aktmalereien seien also in jedem Fall zu entfernen, zumal auch die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde – völlig überraschend – zur selben Einschätzung gelangte wie ihr Chef.