Schimpansen und Gorillas haben Hände, die denen des Menschen sehr ähnlich sind.
Fünf Finger (ein opponierbarer Daumen eingeschlosssen), fünf Zehen (einer davon in Opposition zu den anderen bringbar) erlauben es beiden, sowohl mit Händen als auch mit Füßen zu greifen, ein Umstand, der durch Rillen in den Fingern, die einmalige Fingerabdrücke zur Folge haben, erleichtert wird. Wie Menschen, so sind auch Gorillas und Chimpanzen anhand ihrer Fingerabdrücke identifizierbar.
Die Nähe von Mensch und Menschenaffen wird die wenigsten verwundern. Der gemeinsame Stammbaum scheint dafür die Grundlage zu liefern.
Indes: Wie so oft, hält die Evolution eine Überraschung parat.
Koalas haben sechs Finger und Fingerabdrücke, die denen von Menschen so ähnlich sind, dass es aufgrund des Musters, der Form und der Größe der Rillen fast unmöglich ist, sie (die Fingerabdrücke von Menschen und von Koalas) voneinander zu unterscheiden.
Unter dem Mikroskop sehen die Rillen gleich aus. Die Breite der Rillen, die Form, die allgemeine Größe und das Muster sind identisch. Der Hauptunterschied besteht darin, dass die gesamte menschliche Handfläche und die Finger mit Rillen bedeckt sind, während bei Koalas nur an den Fingerspitzen und einigen Teilen der Handfläche Rillen vorhanden sind.
Das Erstaunliche an dieser Beobachtung: Die Entwicklungslinien von Koalas und Menschen haben sich vor rund 70 Millionen Jahren voneinander getrennt. Koalas, in Bäumen wohnende Beuteltiere (marsupials), sind in Australien heimisch und gehören zur Familie der Phascolarctidae und zur Gattung Phascolarctos. Und obschon Koalas alle Attribute von Putzigkeit mitbringen, sind Koalas keine Bären, sondern mit Kängurus und Wombats verwandt. Als Beuteltiere bringen sie unterentwickelte Junge zur Welt, die sogenannten Joeys, die in den Beutel ihrer Mutter kriechen, um sich dort weiterzuentwickeln.
Völlig unterschiedliche Spezies, die weitgehend identische Merkmale ausbilden. Wie kann man sich diese konvergente Evolution erklären?
Fingerabdrücke, Rillen in Fingern haben, jenseits der Forensischen Kriminalistik zwei Zwecke: Sie erleichtern die Haftung an rauen Oberflächen und sie erhöhen die Empfindlichkeit, ermöglichen eine feinere Wahrnehmung. Die Vorteile für Menschen sind schon dadurch offenkundig, dass einem nicht alles, was man anfasst, aus den Fingern gleitet und wir mit Fingern in der Lage sind, Muster, Formen und Strukturen zu erfassen, Unebenheiten wahrzunehmen.
1: Koala; 2: Mensch; 3: Chimpanze
Für Koalas haben die Rillen in den Fingern dieselben Vorteile: Als Baumbewohner sind sie auf festen Griff angewiesen und als Liebhaber von Eukalyptusblättern bestimmter Entwicklungsstufe, benötigen sie das richtige Einfühlungsvermögen, um die korrekte Alterung der Blätter zu ertasten.
Zwar legen diese Funktionalitäten eine gemeinsame Entwicklung trotz weit entfernter Abstammungslinien nahe, das Ausmaß der Übereinstimmung, das den Fingerabdruck eines Koala von dem eines Menschen sehr schwer bis überhaupt nicht unterscheidbar macht, ist dessen ungeachtet: erstaunlich.
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