Wie viele Alchemisten waren auf der Suche nach dem Jungbrunnen?
Oscar Wilde hat die Sehnsucht danach, nicht zu altern, zum Gegenstand einer Novelle „Das Bildnis des Dorian Grey“ gemacht. Im Jahre 2000 hat Gary Braver die Geschichte eines Apothekers ergänzt, der eine seltene Pflanze entdeckt, die Eigenschaften aufweist, die es ihm ermöglichen, ein Elixir zu entwickeln, das die Alterung dramatisch verlangsamt. Indes, die ethischen und psychologischen Konsequenzen einer verlangsamten Alterung und die Gier derjenigen, die gerne mit seinem Elixir Geld verdienen würden, sie werden nicht verlangsamt, sondern beschleunigt.

Can’t have it all, can you?

Und hier sind wir nun, im Jahre 2026 und Pharmafia tritt in die Fussstapfen von Alchemisten und Dorian Grey, verspricht das verjüngte oder verlangsamt alternde Leben.

Alles, was Sie tun müssen: Lassen Sie sich gegen Gürtelrose impfen!

Gürtelrose ist natürlich eine der Krankheiten, die sich nach modRNA-Spritzbrühen häufiger als sonst einstellen. Aber, hey, warum auf die schöne Spritze, bereitwillig von einem Vertreter der Pharmafia, der sich als Hausarzt tarnt, verabreicht, verzichten?

Die Spritze macht Sie jünger:

Quelle: USC Leonard Davis

Die Studie, über die hier berichtet wird, ist diese:

Das ist eine dieser Studien, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, jedenfalls dann, wenn man sich in seinem Leben des öfteren mit statistischen Verfahren beschäftigt hat. Die Autoren nutzen zwei davon:

  • Faktorenanalysen
  • und lineare Regressionen.

Aber der Reihe nach.

Ziel ist es zu untersuchen, ob die mit Impfstoffen gegen „Gürtelrose“ Geimpften langsamer älter werden als andere.
Eine naheliegende Fragestellung, oder? Sie liegt gleich neben der Frage, ob man, wenn man sich Ozempic einschießt, von unbekannten Milliardären in ihrem Testament bedacht wird.

Eine naheliegende Fragestellung eben.
Tatsächlich eine, die sich schon andere gestellt haben, vollkommen naheliegend eben, die mit dem längeren Leben, nicht die mit den Milliardären, und die haben für Shingrix, der Impfstoff gegen Gürtelrose, der DERZEIT auf dem Markt ist, eine entsprechende „Wirkung“ nicht ausgeschlossen [!sic]. Die Autoren haben indes Leutchen, die nicht mit Shingrix gespritzt wurden, sondern Leutchen, 3.884 and der Zahl, davon rund 1942 gegen Gürtelrose geimpft und alle über 62 Jahre alt im Jahre 2008, die mit ZostaVax gespritzt wurden, also nicht mit Shingrix .. aber macht nichts. Eine dieser kleinen Fehlstellen, über die man einfach hinwegtüncht, wenn man sich zu „höheren Ergebnissen“ berufen fühlt. Und welcher statistische Alchemist fühlte sich nicht zu „höheren“ Koeffizienten berufen …

Die Frage, wie man Alterung misst, wird von den Autoren kurzerhand und mit Blutdruck und Biomarkern beantwortet: 44 Biomarker an der Zahl, die unterschiedliche Aspekte von Alterung „messen“ sollen, so unterschiedlich, dass sie von den Autoren kurzerhand in EINEN Wert für jeweils sieben Bereiche ,die etwas mit Alterung zu tun haben sollen, von Entzündungen, über das innate und das adaptive Immunsystem bis neurodegenerativen Schäden gemanscht werden. Und zwar so:

Sie manschen den Krempel mit einer Faktorenanalyse und extrahieren jeweils NUR den ersten Faktor, was insofern misslich ist, als die Eigenwerte, die sie berichten, von 1.56 bis 5,64 reichen. Die unterschiedlichen Biomarker bilden also zwischen zwei und sechs Dimensionen miteinander. Warum die erste davon jeweils „Alterung“ ausdrücken soll – keine Ahnung. Vielleicht wird es Alterung, wenn man ganz arg daran glaubt.

Aber damit ist der Junk noch nicht am Ende.

Statistische Programme bieten die Möglichkeit, die Dimensionen einer Faktorenanalyse als normalverteilten Wert, der zwischen -3 und +3 variiert, zu speichern, um damit weiterzurechnen. Das statistische Programm produziert eine normalverteilte, metrische Variable, ob sie nun Sinn hat oder nicht und eine metrische Variable löst bei denen, die mit Statistik wenig am Hut haben, immer denselben Reflex aus: lineare Regression. Warum das so ist, weiß ich nciht. Aber lineare Regressionen werden in der Regel als erste Methode in Statistikhandbüchern besprochen, bevor es zu komplexeren Verfahren geht. Das mag eine Erklärung sein.

Sie erinnern sich, dass es um Gürtelrose-Impfstoffe und Alterung ging?

Unsere traurigen Helden überforderter Statistik-Kompetenz rechnen für diejenigen, die geshingelt sind, also gegen Shingles, Gürtelrose geimpft wurden und diejenigen, die ungeimpft geblieben sind, lineare Regressionen über die zusammengemanschten und in einen Factor-Score normalisierten Biomarker aus und das Ergebnis sieht so aus:

Alles, was rot abgebildet ist, soll „statistisch signifikant“ sein. Alles, was sich links der Mitte befindet, soll die jeweilige „Alterungsdomäne“ verlangsamen, alles, was rechts der Mitte ist, beschleunigen. Wie man sieht, beschleunigt ein Impfstoff gegen Gürtelrose die Alterung in der Domäne „Adaptive Immunität“, was auch immer das bedeuten soll, reduziert sie in den Alterungsdomänen „Entzündung“ und „epigenetische Alterung“ und hat keinen Effekt im Rest. Man sieht ebenso, dass weibliche Schwarze einen beschleunigte Neurodegeneration erleben und eine verlangsamte und gleichzeitig beschleunigte „epigenetische Alterung“  sowie eine reduzierte Alterung adaptiver Immunität bei gleichzeitig beschleunigter Alterung der „Entzündungs-Domäne“.

Man kann das Ganze auch abkürzen: JUNK!

Und die Frage stellen, wie man den Effekt, den die Autoren gemessen zu haben glauben, von einem statistischen Artefakt unterscheiden kann, also der Messung eines dieser willkürlichen Zusammenhänge, die sich immer finden lassen, etwa solche:

Quelle: Taylor Vigen, Spurious Correlation

Man kann es nicht.
Ergo müssen Sie die Hoffnung, per Gürtelrose-Impfstoff-Jungbrunnen, die Alterung aufzuhalten, begraben.

Bleibt die Hoffnung, von einem Milliardär im Testament berücksichtigt zu werden, wenn sie nur fleißig mit Ozempic hantieren …


 

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