Inmitten landesweiter Proteste haben die Behörden im Iran den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung abgeschaltet. Das Land befinde sich in einem „Internet-Blackout“, berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Dieser folge auf eine Reihe von Zensurmaßnahmen, die „das Recht der Öffentlichkeit auf Kommunikation in einem kritischen Moment behindern“, hieß es in einem Beitrag auf X.
Auch Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um etwa 90 Prozent. Ein kleiner Teil der Regierung sowie des Militär- und Machtapparats dürfte das Internet weiter frei nutzen können.
Bereits bei früheren Protestwellen hatten die Behörden zu dieser Maßnahme gegriffen, um die Verbreitung von Bildern und Videos zu unterbinden. Reza Pahlavi, der im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten aufgerufen.
Proteste auch in Millionenstadt Maschhad – „wie Krieg“
Nach Protestaufrufen kommt es auch in der iranischen Millionenmetropole Maschhad zu heftigen Straßendemonstrationen. In der zweitgrößten iranischen Stadt im Nordosten gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vor, wie Einwohner berichteten. Es sei „wie Krieg“, sagten Augenzeugen.
Aktivisten: 45 Demonstranten im Iran getötet
Bei den landesweiten Protesten im Iran sind Aktivisten zufolge mindestens 45 Demonstranten ums Leben gekommen. Wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mitteilte, gehen die Sicherheitskräfte mit Schusswaffen gegen die Proteste.
„Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttätiger und umfassender werden“, sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.
Seit elf Tagen erschüttert eine neue Protestwelle den Iran. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch die massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler spontan auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf weite Teile des Landes ausgeweitet. (dpa/afp/red)